05 Juni 2012

Ein wenig von Leni

Luis Armstrong war kein sehr dünner Mann. Dafür hatte er eine phänomenale Stimme, der sogar noch Kinder unserer Kinder mit Bewunderung zuhören werden. 

Leni hatte auch eine nette Stimme. Allerdings, im Gegensatz zu Armstrong, haben die 24 Kilo Übergewicht, hinter denen ihr superschlanker Modelkörper sich versteckte, nicht zu Lenis Schönheit beigetragen. So dachte Leni und derselben Meinung waren ihre Freundinnen. Ihre Freunde dachten anders und sahen Leni schmachtend an. Aber dafür sind Freunde schließlich da, um Leni mit all ihren Extrakilos zu mögen. Nicht so die neue Sommerhose, exakt sechs Kleidergrößen enger als Lenis Oberschenkel; sie wollte die Leni partout nicht so akzeptieren, wie sie war. 

Jeder Morgen fing mit einem stillen Kampf an: Leni schaute hoffnungsvoll ihre Hose an und streichelte sich über die Beine. Die Hose zog sich verächtlich auf dem Stuhl zusammen, so als wollte sie sagen, dass sie es sich eventuell bei Merlin Monroe anders überlegen könnte, aber nie im Leben Leni mit ihren Cellulitis bedeckten Beinen in ihre Nähe lässt. 

Ich werde dich zerreißen, dir die Hosenbeine abschneiden, ich werde dich als Gardinen benutzen! – drohte Leni 
Alles besser als die Haut eines Nilpferdes zu sein, - erwiderte die Hose. 

Die gegenseitigen Drohungen endeten meist mit Lenis kompletter Niederlage. Traurig und enttäuscht schleppte sie sich in die Küche, wo sie sich ein riesiges belegtes Brot mit weicher Butter und einer endlosen Käsescheibe oben drauf machte. Die Hose ließ ein satanisches Lachen los, verlor aber nichts von ihrer magischen Anziehungskraft. 

Eines Abends erzählte die Leni ihrer Freundin von ihrem Kampf mit dem eigensinnigen Kleidungsstück. 

- Was, was, was soll ich denn machen, damit sie passt, - schluchzte Leni 
Und was hälst du davon, wenn wie sie einfach fragen, - schlug die Freundin vor, die nach dem dritten Gläschen Sekt ihre Gesprächigkeit neu entdeckte. – Dir sagst sie bestimmt nichts, - fuhr sie entschlossen fort, - da ihr ja Feinde seid, aber ich werde sie ausfragen und die Antworten besorgen.
Sie schnappte sich die Hose und verschwand im Nebenzimmer. Leni saß auf der Fensterbank und schlug voller Ungeduld mit der Ferse gegen die Heizung. 

Nach einiger Zeit hat die Hose anscheinend damit angefangen, Lenis Freundin all ihre Wünsche zu verraten, denn sie konnte die Freundin immer wieder laut „Boh! Boh!“ sagen hören. Mit jedem „Boh“ wurde die Freundin immer lauter. Entweder hatte die Hose ganz unglaubliche Forderungen geäußert oder die Freundin litt an einer vorzeitigen Taubheit, denn das anfängliche „Boh! Boh!“ gipfelte in einem lauten Geschrei.

Leni konnte es nicht länger aushalten und ging in das Zimmer, wo sie ihrer aufgebrachten Freundin gerade noch rechtzeitig die Hose wegnehmen konnte. Diese überhäufte Leni mit Anschuldigungen: Deine Scheißhose sagte, dass ich genauso eine Kuh bin wie du und sogar noch größer, denn du bist es nur äußerlich und ich auch noch intellektuell. Ich lasse mir so etwas nicht gefallen! Ich werde mich beklagen! Mit diesen Worten lief die Freundin aus der Tür und stürzte die Treppe hinunter, obwohl Leni nicht ganz klar war, bei wem man sich ohne negative Folgen über eine sprechende Hose beklagen konnte. 

Allerdings hat sich Lenis Haltung ihrer Hose gegenüber schlagartig geändert. In Wirklichkeit hielt Leni ihre Freundin auch für etwas dumm und das eklige Verhalten der Hose hat sich zum Lachen gebracht. Es stellte sich heraus, dass Leni einen Vorteil gegenüber einer anderen Frau hatte. Und so etwas freut jede Frau. Auf Einmal erinnerte sich Leni an die Schreie „Boh, Boh!!“ und entschied, dass es sich hierbei um ein geheimes Zeichen handelte, wie sie ihre Hose für sich gewinnen konnte. Es gibt doch keine Zufälle, oder?

Der erste Tipp kam von der Ferse, die nach dem Klopfen an der Heizung etwas gerötet war. Etwas unsicher hat Leni damit angefangen, sich auf einer Stelle zu bewegen, als ihr bewusst wurde, dass sie tanzt. Plötzlich tönte aus dem Radio ein heißes Latinorythmus: Shake your Bon, shake your bon- bon! Und Leni shakte, was das Zeug hielt. Der nächste logische Schritt war eine Diät aus grünen Bohnen, FruchtBomben und dem Käse Bonbel, den Leni mit einem speziellen Messer schnitt. Das Messer nannte sie zärtlich den „Beau“. Außerdem hängte Leni ein Foto von Andrea Bocelli an die Wand. Eines Tage fand Leni ein Foto einem schönen Boot und steckte es in die Tasche – für alle Fälle.

Nun fing jeder Morgen damit an, dass Leni Andrea Bocelli begrüßte und danach zwanzig Minuten lang zur heißen Latinomusik tanzte. Dabei trug sie den neuen Bolero, der einen Teil des geheimen Wortes enthielt. Danach machte Leni einen Spaziergang an der frischen Luft. Sie nahm eine Flasche Bonaqua mit und alle Bons, die ihr unter die Hände kamen, warf sie über die Schulter und sagte: „Bon, bon, flieg in Hemisphäre!“

Und was denkt ihr? Natürlich ging zunächst alles in Erfüllung außer dem Gewünschten. Zuerst brachten die weggeworfenen Bons Geld in unglaublichen Mengen mit sich. Danach entwickelte die Leni eine phantastische Anziehungskraft auf alle Musiker und Musikfans unabhängig von Altersgruppe und Religion.

Leni genoss das Leben, aß grüne Bohnen und gewann eine Kreuzfahrt mit dem Boot „Aida“.
Als der Juli näher kam, gab die Hose endlich auf. Eines Morgens machte Leni die Augen auf und sah, dass sie direkt neben ihr auf der Decke liegt und fast schon bittend mit den Knöpfen glänzt. „Ob ich sie anprobieren soll“, - fragte sich Leni entspannt. Die Hose kam bereitwillig näher. Leni streichelte über ihren wunderschönen Körper und glitt würdevoll und leicht in ihre Hose. Diese unterstrich mit Freude Lenis schöne schlanke Formen. Leni lächelte vor Glück und ging los, um sich einen neuen kurzen Rock zu kaufen. 


Wozu ich das alles schreibe? Leg dir ein Ziel zu, bestimm die Zeit und habe Spass. So öffnen sich dir alle Türen!

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