Luis Armstrong war kein sehr dünner Mann. Dafür hatte er eine phänomenale
Stimme, der sogar noch Kinder unserer Kinder mit Bewunderung zuhören werden.
Leni hatte auch eine nette Stimme. Allerdings, im Gegensatz zu Armstrong,
haben die 24 Kilo Übergewicht, hinter denen ihr superschlanker Modelkörper sich
versteckte, nicht zu Lenis Schönheit beigetragen. So dachte Leni und derselben
Meinung waren ihre Freundinnen. Ihre Freunde dachten anders und sahen Leni
schmachtend an. Aber dafür sind Freunde schließlich da, um Leni mit all ihren
Extrakilos zu mögen. Nicht so die neue Sommerhose, exakt sechs Kleidergrößen enger
als Lenis Oberschenkel; sie wollte die Leni partout nicht so akzeptieren, wie
sie war.
Jeder Morgen fing mit einem stillen Kampf an: Leni schaute hoffnungsvoll
ihre Hose an und streichelte sich über die Beine. Die Hose zog sich verächtlich
auf dem Stuhl zusammen, so als wollte sie sagen, dass sie es sich eventuell bei
Merlin Monroe anders überlegen könnte, aber nie im Leben Leni mit ihren Cellulitis
bedeckten Beinen in ihre Nähe lässt.
- Ich werde dich zerreißen, dir die Hosenbeine abschneiden, ich werde dich als Gardinen benutzen! – drohte Leni
- Alles besser als die Haut eines Nilpferdes zu sein, - erwiderte die Hose.
Die gegenseitigen Drohungen endeten meist mit Lenis kompletter Niederlage.
Traurig und enttäuscht schleppte sie sich in die Küche, wo sie sich ein
riesiges belegtes Brot mit weicher Butter und einer endlosen Käsescheibe oben
drauf machte. Die Hose ließ ein satanisches Lachen los, verlor aber nichts von
ihrer magischen Anziehungskraft.
Eines Abends erzählte die Leni ihrer Freundin von ihrem Kampf mit dem
eigensinnigen Kleidungsstück.
- Was, was, was soll ich denn machen, damit sie passt, - schluchzte Leni
- Und was hälst du davon, wenn wie sie einfach fragen, - schlug die Freundin vor, die nach dem dritten Gläschen Sekt ihre Gesprächigkeit neu entdeckte. – Dir sagst sie bestimmt nichts, - fuhr sie entschlossen fort, - da ihr ja Feinde seid, aber ich werde sie ausfragen und die Antworten besorgen.
Sie schnappte sich die Hose und verschwand im Nebenzimmer. Leni saß auf
der Fensterbank und schlug voller Ungeduld mit der Ferse gegen die Heizung.
Nach einiger Zeit hat die Hose anscheinend damit angefangen, Lenis
Freundin all ihre Wünsche zu verraten, denn sie konnte die Freundin immer
wieder laut „Boh! Boh!“ sagen hören. Mit jedem „Boh“ wurde die Freundin immer
lauter. Entweder hatte die Hose ganz unglaubliche Forderungen geäußert oder die
Freundin litt an einer vorzeitigen Taubheit, denn das anfängliche „Boh! Boh!“ gipfelte
in einem lauten Geschrei.
Leni konnte es nicht länger aushalten und ging in das Zimmer, wo sie ihrer
aufgebrachten Freundin gerade noch rechtzeitig die Hose wegnehmen konnte. Diese
überhäufte Leni mit Anschuldigungen: Deine Scheißhose sagte, dass ich genauso
eine Kuh bin wie du und sogar noch größer, denn du bist es nur äußerlich und ich
auch noch intellektuell. Ich lasse mir so etwas nicht gefallen! Ich werde mich beklagen! Mit diesen Worten
lief die Freundin aus der Tür und stürzte die Treppe hinunter, obwohl Leni nicht
ganz klar war, bei wem man sich ohne negative Folgen über eine sprechende Hose
beklagen konnte.
Allerdings hat sich Lenis Haltung ihrer Hose gegenüber schlagartig
geändert. In Wirklichkeit hielt Leni ihre Freundin auch für etwas dumm und das eklige
Verhalten der Hose hat sich zum Lachen gebracht. Es stellte sich heraus, dass
Leni einen Vorteil gegenüber einer anderen Frau hatte. Und so etwas freut jede
Frau. Auf Einmal erinnerte sich Leni an die Schreie „Boh, Boh!!“ und entschied,
dass es sich hierbei um ein geheimes Zeichen handelte, wie sie ihre Hose für
sich gewinnen konnte. Es gibt doch keine Zufälle, oder?
Der erste Tipp kam von der Ferse, die nach dem Klopfen an der Heizung etwas
gerötet war. Etwas unsicher hat Leni damit angefangen, sich auf einer Stelle zu
bewegen, als ihr bewusst wurde, dass sie tanzt. Plötzlich tönte aus dem Radio
ein heißes Latinorythmus: Shake your Bon,
shake your bon- bon! Und Leni shakte, was das Zeug hielt. Der nächste logische Schritt
war eine Diät aus grünen Bohnen,
FruchtBomben und dem Käse Bonbel, den Leni mit einem speziellen
Messer schnitt. Das Messer nannte sie zärtlich den „Beau“. Außerdem hängte Leni ein Foto von Andrea Bocelli an die Wand. Eines Tage fand
Leni ein Foto einem schönen Boot und
steckte es in die Tasche – für alle Fälle.
Nun fing jeder Morgen damit an, dass Leni Andrea Bocelli begrüßte und danach zwanzig Minuten lang zur heißen
Latinomusik tanzte. Dabei trug sie den neuen Bolero, der einen Teil des geheimen Wortes enthielt. Danach machte
Leni einen Spaziergang an der frischen Luft. Sie nahm eine Flasche Bonaqua mit und alle Bons, die ihr unter die Hände kamen,
warf sie über die Schulter und sagte: „Bon,
bon, flieg in Hemisphäre!“
Und was denkt ihr? Natürlich ging zunächst alles in Erfüllung außer dem
Gewünschten. Zuerst brachten die weggeworfenen Bons Geld in unglaublichen
Mengen mit sich. Danach entwickelte die Leni eine phantastische Anziehungskraft
auf alle Musiker und Musikfans unabhängig von Altersgruppe und Religion.
Leni genoss das Leben, aß grüne Bohnen und gewann eine Kreuzfahrt mit dem Boot „Aida“.
Als der Juli näher kam, gab die Hose endlich auf. Eines Morgens machte Leni
die Augen auf und sah, dass sie direkt neben ihr auf der Decke liegt und fast
schon bittend mit den Knöpfen glänzt. „Ob ich sie anprobieren soll“, - fragte
sich Leni entspannt. Die Hose kam bereitwillig näher. Leni streichelte über
ihren wunderschönen Körper und glitt würdevoll und leicht in ihre Hose. Diese
unterstrich mit Freude Lenis schöne schlanke Formen. Leni lächelte vor Glück
und ging los, um sich einen neuen kurzen Rock zu kaufen.
Wozu ich das alles schreibe? Leg dir ein Ziel zu, bestimm die Zeit und habe Spass. So öffnen sich dir alle Türen!
Wozu ich das alles schreibe? Leg dir ein Ziel zu, bestimm die Zeit und habe Spass. So öffnen sich dir alle Türen!
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